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Was ich noch gar nicht wusste – ich habe keine Empathie mit Kindern…

Das ist wirklich erstaunlich, was man (sprich: ich) so erfährt, wenn die Kinder auf der Straße normal miteinander umgehen.

Diese Woche war mein jüngster Sohn (9 Jahre) mit seinen Freunden draußen unterwegs (bin froh, dass die Meute draußen war und nicht zu Hause Loom-Armbänder geknüpft hat… damit können wir bereits das halbe Wohngebiet versorgen), also die Jungs waren draußen und ich ging davon aus, dass sie Spaß haben. Es klingelt und ein Nachbarsjunge (ebenfalls 9 Jahre) steht mit seinem kleinen Bruder sehr erregt und auf 180 vor mir. Fragt, ob er mir etwas über meinen Sohn erzählen soll. Ich verneine dies und weise ihn darauf hin, dass er, wenn er einen Konflikt mit meinem Kurzen hat, diesen mit ihm und nicht mit mir lösen soll. Mein Einstellung dazu ist sehr klar und eindeutig: wenn ich nicht dabei bin mische ich mich nicht ein – ich kann nur verlieren.

Dann kommt von dem Kleinen (O-Ton): “Sie kommen jetzt sofort mit!” – ich hab mich fast an meinem Kaffee verschluckt… Nachdem ich ihn nun darauf hingewiesen habe, dass mich niemand und schon gar nicht er mich herumkommandieren darf habe ich die Tür geschlossen und er ist samt seinem Bruder abgezogen. So weit so gut – dachte ich!

Am Abend klingelt es erneut und es stand der betreffende Vater dieses Nachbarjunge vor mir und beschwerte sich bei mir über das Verhalten meines Sohnes und von mir. Ich würde keine Verantwortung übernehmen und könnte wohl keine Empathie mit Kindern empfinden! Aha, deshalb habe ich drei Kinder und deren Freunde kommen auch nur gezwungenermaßen zu uns zu Besuch. Wirklich eine ganz neue Erkenntnis. Er meinte dann noch, dass die “Prügeleien” unter den Jungs als Körperverletzung gelten würden und er sich da nicht länger anschauen würde (beim letzten Konflikt hat einer seiner Söhne eine Beule davon getragen). Mein Anregung dazu, er solle doch beim nächsten Mal die Polizei holen (von mir als Ironie gedacht) hat er gleich aufgegriffen, er würde dies tatsächlich tun. Da war ich echt sprachlos. Habe ihm dann noch einen schönen Abend gewünscht und ihn verabschiedet.

Mein Mann war sehr enttäuscht!

Darüber, dass er nicht dabei war, er hätte diese Comedy gerne live erlebt.

Fazit: Wenn Empathie mit Kindern bedeutet, deren Konflikte an deren Stelle zu lösen und Partei für den zu ergreifen, der als erstes vor der Tür steht, oder sich von erregten kleinen Jungs herumkommandieren zu lassen – dann möchte ich keine Empathie für Kinder haben. Wenn es aber bedeutet, sie darin zu ermutigen, Konflikte auszuhalten und Lösungen zu finden, selbst für seine Rechte einzustehen und sich selbst zu behaupten dann weise ich den Vorwurf, ich hätte keine Empathie mit Kindern mit aller Entschiedenheit zurück – meinen Nachbarn wird es nicht interessieren, doch meine Kinder und ihre Freunde zeigen mir täglich, wie empathisch wir miteinander umgehen.

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Ein Kommentar zu “Was ich noch gar nicht wusste – ich habe keine Empathie mit Kindern…”

By Markus Leipersberger - 26 September 2014 Antworten

Du sprichst mir so aus der Seele!!

Eine Beobachtung die ich schon seit einiger Zeit im näheren und weiteren Bekanntenkreis und auch in meiner Arbeit als Selbstverteidigungslehrer leider auch immer mehr feststellen muss:
Der/Die “Alles-überwachende-Übermutter/Übervater” kümmert sich um alle Belange des Kindes/der Kinder und macht es somit leider unmöglich, dass die Kinder lernen Konflikte selber zu lösen, bzw. nach eigenen Lösungen für Probleme zu suchen und damit solide soziale Kompetenzen zu entwickeln.

Das sind aus meiner Erfahrung übrigens die selben Eltern, die sich dann wenige Jahre später darüber beschweren, dass Ihre (inzwischen jugendlichen) Söhne und Töchter so gar keine Eigeninitiative ergreifen, nicht in der Lage sind Ihr Leben zu organisieren und sich alles von Mama und Papa hinterhertragen lassen… .

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